Heute dann das erste Grillen in Nachbars Garten, mit 8 Kindern, 6 Erwachsenen und 20 Mücken. Die Kinder waren die meiste Zeit auf dem Spielplatz zugange, Lotte mittenmang. Der Kleine blieb natürlich bei uns. Lotte spielt noch nicht richtig mit, läuft aber mit. Und sie hat das große Glück, dass das größte Mädchen, eine 12jährige, offensichtlich viel Spaß an der Beschäftigung mit ihr (und zuvor auch schon mit Ügeli) hat. Und wir haben das Glück, dass wir in diesem geschützten Rahmen einfach zulassen können, dass Lotte durch die Gegend gurkt.
Ulrich krabbelte derweil im Gras rum, wenn er nicht gerade Bratwürstchen kostete, Banane mampfte oder seine Pulle leersoff. Irgendwann hab ich ihn ins Tragetuch genommen, wo er einschlief. Dann wurde er im Kinderwagen "abgelegt". Er ist kaum aufgewacht vom Ausziehen und Umbetten ins eigene Bett.
Und wir? Wir sind einfach nur entspannt und glücklich!
Wie schreibt sich das? Rekonvaleszenz? Rekonvalesenz? Rekonvalezens? Also mein Rechtschreibprogramm behauptet, die erste Variante sei richtig.
Egal. Was ich eigentlich sagen wollte: Es geht uns besser. Madame Lotte ist heute fieberfrei durch den Tag gekommen. Allerdings ist sie ziemlich weinerlich-zickig drauf. Mehrere "Machtproben" lieferte sie heute bei uns ab, die - ob groß, ob klein - in Tränenströmen auf ihrer Seite mündeten. Das arme Kind will weinen. Naja. Wir vermuten, dass das gerade nix mit der Krankheit zu tun hat, sondern mit dem Alter...
Das ist kein Kommentar zur allgemeinen Lage der Weltwirtschaft, sondern bezieht sich auf das Fieber der kleine Dame des Hauses. Sie hatte zwar schon beim Aufwachen wieder eine warme Birne, aber auf 39 ° C ist sie nicht mehr geklettert. Und heute Nachmittag ist sie fieberfrei! Soeben waren wir sogar eine kleine Runde spazieren. D.h. wir waren beim Ententeich. Dort hat Lotte den Enten das frische Brot weggegessen. Aber den Kanten durften sie haben!
Ügeli hat die Spazierfahrt für ein Nickerchen genutzt. Er ist weiterhin wohl auf, schnupft nicht mehr ganz so schlimm, beißt aber wieder. Wir vermuten den nächsten Zahn im Anmarsch. Oder einen Entwicklungssprung - er hat vorhin nämlich ganz klar 'N.te' gesagt. Ente also. Ein Sprachgenie! (Oder eine sehr fantasiebegabte Mutter...)
Mann, macht das Spaß in den alten Erinnerungen zu wühlen. Stehen die Sterne günstig oder warum kommt das jetzt gerade? Über andere Wege melden sich momentan auch lauter ehemalige Schulkameraden und so bei mir. Irgendwas liegt in der Luft... (ich hab da auch so eine Hypothese - die 30er neigen sich dem Ende zu, der 40. Geburtstag naht und man beginnt eine erste, äh, Inventur oder so)
Und weil das so einen Spaß macht, sammel ich noch ein paar Jugendlieder:
1. Eddie Grant - Johanna
So beschaulich begann meine Jugend. Dideldideldu. Aber es sollte schlimmer werden, denn die Hormone begannen ihr Unwesen zu treiben:
2. Prince - Starfish and Coffee
Das war ja auch ganz beschaulich. Allerdings dürfen Sie nicht die anderen Lieder vergessen, insbesondere nicht "Sign of the times". Die Zeichen der Zeit, ja, sie machten uns alle total fertig damals. Da brauchte man ab und an ein bisschen dideldumdideldei. Immerhin war dieses hier echt gutes Dideldumdideldei. Und nicht vergessen, Prince! Also Prince war ja wohl weit entfernt von Dideldumdideldei! 1,50 Meter wandelnde Erotik in schriller Verpackung! Ein Kunstwerk! Ein echtes! Nicht zu verwechseln mit dem damals ebenfalls an allen Mädchenzimmerwänden hängenden Michael Jackson.
Damals gab es einerseits Michael Jackson Fans und andererseits Prince Fans. Klar fand man mich auf der Seite des guten Geschmacks... Und zu meinem damaligen Michael Jackson-Konsum möchte ich sagen: ich habe nicht inhaliert, äh, zugehört! (man weiß ja nie, wann einem daraus nochmal ein Strick gedreht wird)
3. Ina Deter - Neue Männer
Das war das erste Konzert, das ich erinnere. Da hat meiner Mutter mich rein geschleppt. Nahain, meine Mutter gehörte nicht zur Generation Musikantenstadel, neinnein. Und sie war über Gilbert Becaud hinaus gewachsen, folgte den Spuren der späten Gitte und landete bei Ina Deter. Und ich mit. Das beeinträchtigte zwar mein gutes Verhältnis zu meinen männlichen Klassenkameraden, aber die interessierten mich ja eh nicht. Ich schielte mehr Richtung ältere Jahrgänge. Wissen Sie noch, damals fragte man sich noch, ob man mit jemandem "gehen" könnte, der kleiner ist als man selbst...
4. Inga Rumpf
Was soll man sagen, das war damals so. Starke Frauen, breite Schultern, cooler Blick. Auch die Mode war so. Schulterpolster, schmale Hüfte. Echt cool! Meine Mutter hatte damals einen heißen Cord-Hosenanzug in Türkis, mit so breiten Schultern. War ich neidisch!
5. Bette Midler
Noch so eine Röhre. Ja, ich habe eigentlich auch heute noch einen Faible für starke Frauenstimmen. Kate Bush war dafür nicht so meins. Zu hoch und schrill. Aber das Video kannte ich nicht. Das hätte meinen Bezug zu dem Lied sicherlich beeinträchtigt, denn den Typen da, diesen Mick, also den fand ich schon immer schauderlich, so als Mann. Dafür stand meine Mutter total auf den...
Nein, nicht dass Sie das missverstehen: Ich musste Mick nicht doof finden, weil meine Mutter und so. Wir waren da ganz aufgeklärt. Wir hatten auch "Leidenschaften", die wir teilten: Dustin Hoffman, Robert Redford oder - um zur Musik zurück zu kommen - Marvin Gaye.
6. Marvin Gaye - Sexual Healing
Man, habe ich gerade gelacht. Und wieder kannte ich das Video nicht. Also ich finde dieser Song ist auch heute noch einer der hm sexisten Songs, wo gibt. Aber dieses Video, dieses Video ist seine eigene Persiflage. Wahnsinn!
7. Billy Idol - Flesh for fantasy
Um zu den harten Tatsachen des Lebens zurück zu kehren: Billy Idol war so mein Zugang zum Punk. Soll heißen, ich hatte keinen. Aber ich kam mir schon echt hart vor, wenn ich diese Musik hörte. So was von hart.
So jetzt im Nachklapp erinnert mich diese Rebellenschnute von Billy so ein bisschen an Mick. Oder?
Nein, ich wohne nicht etwa in subtropischen Breiten. Es ist das liebe Töchterlein, das dem Thermometer heute Abend eine 40 entlockte. Jetzt hat sie ein Zäpfchen für Große bekommen (250 mg für ab 1 Jahr alte Kinder), wir kontrollieren stündlich die Stirntemperatur und einer von uns schläft mit ihr im Zimmer. Die Nummer vom kinderärztlichen Notruf haben wir uns rausgeschrieben. Eigentlich kann uns nix mehr passieren, oder?
Ansonsten sind weiterhin alle auf der Höhe und schnupfen mehr oder weniger intensiv vor uns hin. Ulrich ist dabei fit wie ein Turnschuh. Heute begrüßte er mein Heimkommen mit großer Begeisterung, strahlte mich mit offenem Mund an als ich ihn über meinen Kopf hob und rülpste einen Schwall anverdaute Milch in meinen zum Lachen offenen Mund. Er teilt halt gerne...
Heute bin ich ins Grübeln gekommen. Nicht, dass mir das nicht häufiger mal passieren würde, aber heute - nachdem ich mal eine ruhige Minute hatte - tauchten mir doch ein paar Fragen über die Sinnhaftigkeit kindlichen Verhaltens auf. Nun ist ja klar, Kinder sind klein und können dies und das nicht verstehen und haste nicht gesehen etc.pp. Das mal beiseite geschoben gibt es ja immer noch die biologische Grundlage unseres Verhaltens und dieser liegt ja - in der Regel - irgendein Sinn zugrunde. Also der Sinn des Überlebens zum Beispiel. Soll heißen: Jedes Lebewesen, jede Spezies "strebt" danach zu überleben. Ergo kann sich mittel- und langfristig nur solches Verhalten durchsetzen, dass diesem Streben nicht im Wege steht oder sogar diesem Streben dient. So erinner ich das jedenfalls aus der Schulzeit.
Nun sah ich mich heute - in einem verschnupften Haushalt - mit zwei Kindern konfrontiert, die mich in den Wahnsinn trieben. Das Schreien eines Kindes hat ja zur Folge, dass die Mutter und alle anderen anwesenden Erwachsenen in Stress geraten. Das hat den biologischen Sinn, dass dem Bedürfnis des Kindes schnellstmöglich nachgekommen wird und sein Überleben somit sichert. So weit so gut. Welchen biologischen Sinn aber haben zwei schreiende Kinder? Und ich denke, das hat jede Mehrfachmutter schon mal erlebt, dass sich die Kinder im Schreien gegenseitig hochschaukeln. Der mütterliche Stress nimmt derartige Formen an, dass sie handlungsunfähig wird. Milde Worte helfen gar nix. Und beiden Kindern gleichzeitig genüge tun, kann die Mutter auch nicht. Selbst Brüllen hilft nix. Kennen Sie eine andere Tierart, wo das mütterliche Brüllen nix nützt? Woanders ducken sich die Kinderlein still-ängstlich ins Gras und mucken nicht weiter auf. Bei unsereins führt das mütterliche Brüllen nur zum ultimativen Kreischendo des Kinderchors.
Aus biologischer Sicht ist das doch kontraproduktiv, oder? a) alle Räuber hören, wo die leichte Kinderbeute ist, b) die Bedürfnisse werden nicht schneller befriedigt, als wenn ein Kind nach dem anderen schreite, c) das Nichtbeachten mütterliche Warnlaute führt - in einigen Familien - zu körperlichen Schmerzen. d) die Mutter hat keine Lust mehr auf weiteren Nachwuchs.
Irgendjemand da draußen, der meinem verschnupften Hirn das erklären kann?
Den dritten Tag in Folge gelingt gemeinsamer Mittagsschlaf der Kinder. Ulrich wacht zwar wie üblich nach einem 3/4 Stündchen wieder auf, lässt sich aber in den Schlaf zurücklullen. So werden dann doch 1,5 bis 2 Stunden Pause daraus.
Der heutige gemeinsame Mittagsschlaf ist dem Schnupfen geschuldet, der Lotte seit gestern angefallen hat. Die Nase läuft derart, dass ich sie noch nicht für gesellschaftsfähig halte. Alle fünf Minuten Nase abwischen, kann man eigentlich niemandem zumuten. Naja, morgen geht es wieder zur Tagesmutter.
Wir haben den Vormittag genutzt und sind bei strahlendem Sonnenschein auf dem Spielplatz gewesen. Für Ulrich das erste Mal im Sand sitzen, Sand essen, Sand krabbeln. Er war entsprechend beschäftigt. Insbesondere mit einer grünen Harke. Lotte hat viel gebuddelt, ist auch mal durch die Gegend gelaufen, um andere Kinder anzugucken und läutete den Heimweg ein, indem sie ihre Schuhe auszog, um den darin befindlichen Sand auszukippen. Und ehrlich, ich habe dieses in der Sonne sitzen und Kindern zugucken richtig wirklich echt genossen!
Danke, Frau Ami, für diese Anregung. Auch ich habe mich auf die Suche gemacht und ein paar zentrale Titel gefunden:
1. Gilbert Becaud - Nathalie
Eigentlich habe ich von ihm was Deutsches gesucht. Hat er Nathalie nicht auch auf Deutsch gesungen? Aber wie das mit Kindheitserinnerungen so ist, man ist sich nicht so sicher...
2. Harry Belafonte - Banana Boat Song
In der Grundschule wurden wir Kinder nach unseren Lieblingssängern / -liedern gefragt. Ich habe mir aus dem heimischen Repertoire denjenigen ausgesucht, den totsicher sonst niemand kennen würde. Endlich mal eine Möglichkeit aufzutrumpfen und die eigene Kultiviertheit raushängen zu lassen. Und dieser Sänger war schließlich absolut exotisch... Was war ich beleidigt, als ich erfuhr, dass man ihn kannte!
3. Gitte - ich will alles
Das ist zwar schon die spätere Gitte, aber immerhin die, deren Platte ich damals bekam. Meine erste eigene Platte! Mit "ich will nen Cowboy als Mann" und so, und eben auch diesem Hit!
Apropos Hit, ich war damals natürlich eifrige Hitparadenschauerin, zusammen mit meiner Oma. Wir kuschelten uns aufs Sofa, Decke über die Beine, ich bekam belegte Brote als Häppchen und wir diskutierten, ob dieses oder jenes Lied "Pfeffer" hat oder nicht. Also Gitte hatte definitiv Pfeffer!
4. Costa Cordalis -Anita
Der war damals schon peinlich.
5. Tony Holiday - Tanze Samba mit mir
Der Held meiner Kindheit! Was für ein Sänger! Und später habe ich mir dann eingeredet, ich wäre für Johnny Halliday geflasht. Aber nein, aber nein, erst die späten (eigenen) Jahre zeigten, dass hier irgendwie was verwechseldrängt wurde.
6. Dschingis Kahn - dito
"Er zeugte sieben Kinder in einer Nacht", das musste ich mir damals von Mama erklären lassen. Das war mir schleierhaft, wie die alle in eine Frau reinpassen sollten. Und warum das nun was Besonderes ist, sieben Kinder verteilt auf sieben Frauen zu zeugen, das war mir auch nicht sofort verständlich.
Liebe Frau Ami, ich hätte jetzt noch stundenlang weiter machen können. Was für Erinnerungen...
Es geht wieder vorwärts. Unglaublich, wie schnell diese kleinen Hosenscheißer sich entwickln. Wenn man nicht haarscharf aufpasst, versäumt man das Beste:
- die ersten fünf Treppenstufen wurden erklommen. Runter ging's mit Mamafahrstuhl. - der Pinzettengriff funktioniert immer besser. Nunmehr finden die Krümel unterm Küchentisch wieder einen Abnehmer. - der achte Zahn ist irgendwo im Anmarsch, vermutlich oben. Dabei sind da oben schon vier. - es wird weiterhin gut geschlafen. Die Knötterphase liegt weiterhin zwischen 23h00 und 1h30. Das nervt zwar, ist aber zumindest ein übersichtlicher Zeitraum. Wenn man ihn zu sich ins Bett holt, schläft er tief und fest. - wegen des merkwürdigen Dünnpfiffs wurden zunächst jegliche Brotfütterungen eingestellt. Ulrich protestiert lautstark, wenn er uns dabei beobachtet, ohne etwas abzubekommen. Haferbrei will er allerdings auch nicht mehr. - noch immer kann er sich nicht alleine aus dem Stand wieder auf den Boden bewegen. Aber es geht jetzt schon mit einer Hand in Mamas Hand. - er versucht Laute nachzuahmen, hat man den Eindruck. Aber es klingt noch alles völlig gleich. - er versteht jetzt, dass der Zeigefinger irgendwo hin zeigt und richtet seine Aufmerksamkeit darauf - Ulrich meckert eigentlich immer, wenn er die Windel voll hat. Er präferiert definitiv ein sauberes Höschen. - Er erkennt ein Hindernis und umgeht es. Liegt man z.B. zwischen ihm und dem Zielort, versucht er nicht mehr auf dem direkten Wege zum Ziel zu kommen, sondern krabbelt um die Beine rum. - Er kann jetzt immer besser in Pappbüchern blättern. - Er liebt es, wenn man das Huhn, den Hahn, den Elefanten oder den Tiger nachmacht. Beim Löwen erschreckt er sich offensichtlich manchmal und fängt dann an zu weinen.
Ulrich hat mir heute beim Aufräumen des (verwüsteten) Kinderzimmers geholfen und auch ein paar Bauklötzchen in die passende Tonne getan. Einmal ist er sogar quer durchs Zimmer gekrabbelt, um das zu tun.
In dieser Familie werden viele digitale Bilder gemacht. Und ab und an werden diese auch mal ausgedruckt. So vom letzten Tierparkbesuch. Was soll man nun mit diesen machen? Lässt man sie rum(f)liegen, lutscht das eine Kind sie kaputt und das andere knautscht-knittert-reißt sie kaputt. Und wegtun in die Schublade? Das ist irgendwie schade.
Eine Lösung musste her und wurde heute geschaffen: Klabauterfrau stapfte in den Copyshop, kaufte 12 bunte A 3 Blätter in 160 gr- Stärke und ließ diese mit einer Ringbindung versehen. Jetzt haben wir 24 größere Blätter, die wir nach Lust und Laune bekleben können mit den Fotos oder auch mal mit was Gemaltem von Lotte oder oder. Und wo wir mal dieses oder mal jenes Blatt nach vorne holen können, um es uns anzugucken und Erinnerungen zu pflegen. Dieser "Wechselrahmen" wird an die Kinderwand im Flur gehangen. Mal sehen, wie die Kinder das finden...
Jetzt, wo der Zeitpunkt naht, dass der kleine Mann hinaus in die Welt zieht, bzw. ins Kinderzimmer mit seinem Bettchen, da stellt sich so eine kleine Wehmut ein. Muss das sein? So wie er jetzt schläft, kann er doch einfach bei uns weiter schlafen... Naja, ich geb uns noch ein paar Tage und dann, dann probieren wir das mal aus, wie es ist, ohne Kind im Elternschlafzimmer.
So langsam bekommt Ulrich den Dreh raus, wie das mit den Füßen funktioniert. Wir haben entlang seines Bettchengitters "Nuckelklau" gespielt. Dabei "raubt" er mir seinen Nuckel aus dem Mund und ich gucke entsprechend erstaunt. Wenn ich dabei außerhalb seiner Reichweite blieb, hangelte er sich erfolgreich zu mir hin, ohne Bruchlandungen zu absolvieren!
Auch das Spieltrapez oder wie das Ding heißt, hat er jetzt als Gehhilfe entdeckt. Allerdings rutscht das noch viel zu schnell über den Teppich, so dass Muttern und Vattern Bremshilfe leisten. Die Nase soll schließlich noch ein Weilchen halten...
Allewelt fragt sich turnusmäßig, warum er/sie so eifrig seinen Blog betreibt, obwohl doch außer Alltäglichkeiten nix bei rum kommt. Will meinen: Die Wenigsten treten mit einem journalistischen oder künstlerischen Anspruch an. Und die Meisten geben zu, dass sie es
irgendwie schon auch wegen der Öffentlichkeit machen. Letzteres wird immer so als Knock-Out-Gegenargument angeführt. Das ist quasi das Perversometer, der Gradmesser der seelischen Verkrüppelung, der sich an der eigenen Aufmerksamkeitsgeilheit festmacht. Pfui Spinne! Damit will man natürlich lieber nix zu tun haben!
Ich jedenfalls blogge auf gar keinen Fall wegen der Öffentlichkeit. Ich bin nämlich überhaupt nicht exhibistionistisch veranlagt. Und besonders eitel bin ich auch nicht. Ich blogge, weil man vom Bloggen ein besserer Mensch wird! Bloggen hat einfach einen läuternden / leuternden (? wie denn nun ?) Effekt.
Sehen Sie, ich bin nur ein ganz normaler Mensch, äh Klabauter. Ich habe diese Schwäche vieler Eltern, dass sie zu wenig Selbstpflege betreiben, auf die Gefahr hin, irgendwann ausgebrannt und in Sack und Asche gekleidet neben ihrem Püppchen in Goldlamettaröckchen herzulaufen. So ein Quatsch, hinterher zu laufen, natürlich! Ich bin mir dieser Schwäche bewusst, finde sie gefährlich, will gerne was dagegen tun und trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei.
Momentan muss ich z.B. die ungenutzten Zopfbänder meiner Tochter leihen, um meinen Pony zu domptieren. Sonst sehe ich nicht, was ich tippe!
Wie der läeuternde Effekt des Bloggens zustande kommt? Na, durch Sie natürlich, liebe Leser! Ich aktiviere das Helfersyndrom der Massen und mir wird geholfen! So z.B. gestern. Gestern war ein gaaaanz normaler Tag! Der Klabautermann war arbeiten, die Klabauterfrau umsorgte das kleine Kind. Stinknormal also. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich zum Briefkasten ging und eine Postkarte heraus fischte: "Herzlichen Glückwunsch zum 4. Hochzeitstag!" stand darauf.
"Ja, HIMMELarschundzwirn, wie KANN MAN seinen eigenen Hochzeitstag vergessen?" werden sich viele von Ihnen fragen. Das habe ich mich auch gefragt. Die Antwort steht oben. Es ist einfach nur ein Element dieses Vernachlässigungssyndroms. Wieder mal nicht genug an mich gedacht. ABER! Noch war ja Zeit, um was gut zu machen. Also brach ich schnell auf, um ein Fläschchen Wein, Blumen und Schoki zu kaufen, damit der Abend mit dem Mann einen gewissen Genussfaktor bekäme! Und so haben wir denn gefeiert: Bei zwei Blumensträußen, zwei Flaschen Wein und einer Schoki (der Klabautermann hatte nämlich von anderer Seite auch eine Glückwunschmail erhalten).
Sehen Sie? So bin ich heute ein bisschen ein besserer Mensch als noch gestern! Ein bisschen fürsorglicher mit mir umgegangen, ein bisschen aufmerksamer mit meinem Mann, ein wenig weniger Aschenbrödel, ein bisschen mehr Prinzessin auf der Erbse! So, wie es sein soll!
Danke nochmals an die lieben Hitzes, die das ermöglichten!!!! ;-)
Das geht schon besser. Ulrich hatte gestern eine Knötterphase zwischen 22h00 und 24h00. Nicht durchgehend, sondern mit Schlaf durchsetzt. Um 4h30 musste die Windel gewechselt werden und Nasentropfen verabreicht. Danach wurde bei Mama im Bett ruhig weiter geschlafen bis 7h00.
Nach dem Impffieber kam der Impfdurchfall. Dachten wir. Bis der Klabautermann auch Durchfall bekam. Das war schon mal merkwürdig. Gestern nun hatte es Lotte. Da hat der kleine Mann uns wohl etwas vom Onkel Doktor mitgebracht...
Und noch ein Geschenk scheint dabei zu sein. Jedenfalls laufen hier inzwischen zwei Nasen.
Die Nacht war natürlich unruhig. Was mir an diesen neuen Kinderbetten
nicht gefällt, ist dieser enge Sicherheitsabstand zwischen den
Stangen. Die stehen so eng, dass man nachts nicht mal eben zum Kind
reinlangen kann, um es zu beruhigen. Das klappt nur, wenn es zufällig
gerade in der richtigen, mir zugewandten Seite liegt. Den Unterarm
kriegt man noch rein. Aber keine Chance, den Ellenbogen da rein zu
kriegen... Also muss man sich aufsetzen und oben rüber. Das ist nicht bequem. Wirklich nicht.
Heute ist es endlich soweit: Ulrich liegt im eigenen Bett. Wir sind gespannt, wie diese erste Nacht läuft. Vermutlich unruhig. Die nächste Zeit wird er noch im Elternschlafzimmer stehen, und wenn er dann routiniert ist, wird er ausgelagert. Lotte freut sich schon!
Der kleine Mann wiegt laut Arztwaage 9,3 kg mit Body und frischer Windel. Er ist etwa 73 cm lang. (Da hab ich gerade nicht aufgepasst.) Er ist genau neun Monate alt.
Beim Arzt waren wir, damit Meister Propper - also diese kleine runde Fressmaschine - seine zweite Impfung bekommt. Man liest ja allethalben über die sensiblen Jungs und nun habe ich die Bestätigung: er ist wirklich ein Sensibelchen. Lotte hat jede Impfung locker weggesteckt, Ulrich bekommt danach Fieber. Die Nacht haben wir dank Zäpfchen halbwegs glimpflich überstanden. Heute war die Temperatur wieder unten, aber er war auch noch etwas angeschlagen und musste immer auf den Arm. Bei dem Gewicht frage ich mich, warum ich noch nicht sooooo'ne Oberarme habe?
Lotte hatte übrigens erst mit 12 Monaten die 9,5 kg erreicht...
... und es ist noch nicht mal ein echter, nur ein halber Albtraum . Auch ich bin zutiefst gerührt, möchte aber anmerken, dass die Traumgestalt da, leider, nur wenig mit mir gemein hat. Ich bin weder besonders groß, noch habe ich wildgelockte Haare. Das würde ich mir zwar wünschen, aber das hat bisher auch nix geholfen. Die Begrüßung hingegen könnte ich mir schon vorstellen. Jetzt, wo wir soviel voneinander gelesen haben, da braucht man ja keine Umstände machen: Hier mein Kind, da meine Küche, ich geh erst mal aufräumen... traumhaft!
Endlich hat er angefangen, der Eltern-Kind-Turnkurs, den ich schon lange mit Lotte machen will. Und so taperten wir denn gegen halb fünf los über den großen Berg. Bergan wurde sie getragen. "Lotte is faul", begründete sie ihren Wunsch nach Tragehilfe. Das fand ich so gut, dass ich dem Antrag stattgab. Einmal oben lief sie auch anstandslos weiter. Und besonders viel Spaß machte uns dann das Hinabrennen mit lautem Gebrüll. Denn da wird einem so schön warm dabei!
Und ein bisschen Wärme tat Not, denn entweder es nieselte oder es schüttete oder es hagelte auf unserem Weg zum Sportkurs. Wir waren gut darauf eingestellt und störten uns ansonsten nicht weiter daran.
Der Kurs an sich ist nett. Etwa zehn Kinder mit Eltern, Aufwärmspiele, dann gemeinsamer Aufbau eines Matratzen-Hüpf-Kletter-Rutsch-Balancier- Parcours mit Bällebecken und kleinem Trampolin. Ins Bällebecken sprang sie völlig ungehemmt. Den Matratzen-Kletter-Spring-Parcours mochte sie auch sehr gerne. Sie kletterte auch vom Stuhl auf den ersten Tisch, der mit dem zweiten durch ein Balancierbrett verbunden war und wo man am Ende des zweiten Tisches in die Matratzen hätte hüpfen können. Also wie gesagt, auf den Tisch ist sie geklettert, aber dann war ihr das definitiv zu hoch und sie wollte ganz schnell da wieder runter. Gut, dann haben wir ja noch eine Herausforderung für den Rest des Kurses: "Tische besteigen". Am Ende gemeinsamer Abbau, Abschluss-Spiel und Abschlusslied. Dann wieder den Berg hochgetragen ("Lotte ist müde") und diesmal langsam hinuntergelaufen. Herrlich!
Lotte dreht den Spieß um: Seit sie Wörter verstehen kann, fragen ihre Eltern sie ständig: "Wo ist der Bär? Wo ist das Kind mit der roten Mütze? Wo ist....?" Nun sprechen wir über irgendwas und kurz darauf fragt sie: "Wo ist...?" Beispielsweise sehen wir einen Hund vorbei gehen. Wir sprechen über den großen, schwarzen Hund und was er so macht. Einige Minuten später kommt: "Wo ist der schwarze Hund?" "Ach, der ist nachhause gegangen?" antworten die Eltern. Und so geht das den lieben langen Tag: "Wo ist der Handwerker?", "Wo ist die Oma?", "Wo ist der Löwe?"
Letztens lag Lotte auf dem Wickeltisch und guckte vor sich hin. Aus heiterem Himmel kommt die Frage: "Wo ist bloß alles?"