9 Monate
Nun ist der "kleine süße Mann" (O-Ton Lotte) schon so lange unter uns,
wie er bis zu seiner Geburt als Entwicklungszeit gebraucht hat. Und
irgendwie passend haben wir in den letzten Wochen eine Art zweiter
Geburt bei ihm miterleben dürfen: Seit er krabbeln kann, ist er ein
zumeist ausgeglichener, freundlicher Knabe. Er liebt "Hoppe, hoppe
Reiter", insbesondere den Plumps. Er lacht, wenn man "Pups" sagt. Er
steckt mir seinen Schnuller in den Mund (den ich dann ganz entzückt
nuckel), zieht ihn mit "Plopp" wieder aus meinem Mund heraus und lacht
entzückt über meine erstaunte Empörung. Er kann sich herrlich lange
alleine beschäftigen, vorausgesetzt seine große Schwester ist im
selben Raum.
Lotte liebt ihr Brüderchen sehr und streichelt ihn gerne. Sie liebt
es, seine Hand zu nehmen. Er liebt das weniger, denn die fehlt ihm
dann für seine gerade intendierten Bewegungen. Ulrich kann laut
weinen. Das kann Lotte kaum ertragen. Manchmal fängt sie dann auch an
zu weinen. Meist aber wird sie nervös und macht irgendeinen Blödsinn,
der die - ebenfalls genervte Mutter - auf die Palme bringt. Dann
knallt's gelegentlich verbal und beide Kinder heulen... Lotte ist
allerdings auch diejenige, der als erstes einfällt, wie man Ügeli
todsicher beruhigt: Sie fängt an "Wie das Fähnlein auf dem Turme" zu
singen. Das hilft eigentlich immer! Wie oft war ich schon in der
verzweifelten Lage, einen heulenden Ügeli auf dem Küchenboden ablegen
zu müssen, weil doch das Fläschchen noch gesäubert und dann gemacht
werden musste. Einarmig geht das nunmal nicht. Frau Schwester fing an
zu singen und wupp, war Ruhe!
Sitzen kann Ulrich inzwischen ganz gut, allerdings kommt er noch nicht
selbst ins Sitzen. Stehen ist immer noch sein größtes Hobby.
Inzwischen zieht er sich am Sofa und anderen Möbeln in den Stand. Legt
man ihm dann etwas zu spielen auf die Sofa-Sitzfläche ist sein Glück
perfekt!
Klein-Ügeli plaudert fröhlich vor sich hin. Tatata. Mam. Bababa.
Springbrunnenprusten. Dada. Noch ohne sichtbare Bedeutung, jedoch mit
hohem Vergnügen. Ebensolches Vergnügen bereitet Essen. Dem gibt er
sich mit Leidenschaft hin. Er bekommt morgens, zwischendurch und
abends ein Fläschchen Milch. Frühstück, Mittag und Abendbrot isst er
Brei, grob zermanschtes kindgerechtes Essen oder Gläschen. Er kaut
gerne Apfelschnitze, kann die Stückchen aber nur sehr schwer klein
kriegen. Meist findet man sie irgendwann auf seinem Hemd wieder. Er
will alles kosten, was wir essen. Aber er darf noch nicht! Wie bei
Lotte will ich ihn im ersten Jahr allergenarm ernähren. Das klappt
aufgrund seines Essvergnügens nicht immer. Brot habe ich ihm z.b.
schon häufig gegeben, obwohl da Weizenmehl drin ist. Jetzt habe ich
einen Vorrat halbierter Dinkelbrötchen eingefroren und taue von Zeit
zu Zeit eines auf.
Ulrichs Schlafverhalten bessert sich zusehends. Nicht immer, aber
immer öfter, schläft er vier bis fünf Stunden durch. Einen Schnuller
benötigt er zum Einschlafen nicht mehr. Überhaupt benutzt er den
selten. Der Nuckel hilft hier und da beim müde werden oder zum
Vertreiben der Langeweile im Kinderwagen. Also Lotte braucht ihren
viel dringender und häufiger als er.
Er isst, er schläft, er lacht, er wächst und gedeiht. Er ist
wunderschön! Und jüngst musste ich seine Geburtslöckchen abschneiden,
weil sie hoffnungslos verfilzt waren. Jetzt ist er blond und hat die
längsten Wimpern der Welt. Habe ich schon erwähnt, dass ich in ihn
verliebt bin?


























